Wurzelkanalbehandlungen - Endodontologie.

Die Wurzelbehandlung ist der letzte Versuch einen Zahn zu erhalten, nachdem eine Karies sich bis zum Nerven vorgearbeitet hat.

Wenn das Loch bereits so tief ist, dass die Bakterien der Karies nah am Nerven sitzen und dieser infiziert ist (nicht zwingend schmerzhaft), so ist eine Wurzelbehandlung notwendig. Vorankündigungen auf einen Nervschaden sind ein „Ziehen“ am Zahn bei kalten, warmen Getränken oder Speisen und manchmal auch bereits ein Schmerz ohne Fremdeinfluss.

Unbehandelt würde sich zweifelsfrei früher oder später eine eitrige Entzündung im Knochen an der Wurzelspitze bilden (Abszeß) und starke Schmerzen verursachen. Ein Ausmaß über die Situation gibt normalerweise ein Röntgenbild.

 

Anatomie

Der Zahnnerv (Pulpa) sitzt in einem Kanalsystem im Zahn. Je nachdem welcher Zahn betroffen ist, kommen in der Regel ein bis vier Kanäle vor.

Ablauf

Im ersten Schritt muss der Zahn unter örtlicher Betäubung bis zur Nervenkammer aufgebohrt und die Kanaleingänge gesucht werden. Dann gilt es den Nerven vollständig zu entfernen, sodass der Zahn innen hohl ist. Das Kanalsystem wird innen gereinigt, geglättet und mehrmals desinfiziert um alle schädlichen Bakterien sicher zu entfernen. Dies geschieht abwechselnd mit kleinen Feilen in Nadelform, einem Dental-Laser und desinfizierenden Spüllösungen. Zum Abschluss der ersten Sitzung wird ein desinfizierendes Medikament (bei Bedarf auch schmerzlindernd) in das Kanalsystem eingebracht und der Zahn wieder bakteriendicht verschlossen.

In der nächsten Sitzung wird der Zahn wieder eröffnet, mehrmals mit einer Desinfektionslösung gespült und mit einem Laser bearbeitet. Bei Beschwerdefreiheit werden die Kanäle mit einem Wurzelfüllmaterial abgefüllt, sodass kein Hohlraum im Zahn verbleibt und sich keine Bakterien bilden können. Dann wird der Zahn wieder mit einer bakteriendichten Füllung (Zahnzement) verschlossen.

In der letzten Sitzung kann der Zahn mit einer stabileren Füllung versorgt werden.

Langfristig empfehlen wir den wurzelbehandelten Zahn mit einer stabilen Krone zu versorgen: er ist wegen dem großen Substanzverlust durch Karies und Wurzelbehandlung stark geschwächt - kann somit brechen - und verfärbt sich in der Regel dunkel.


Materialien

In der Regel werden chlorhaltige Spüllösungen verwendet, weil sie die stärkste desinfizierende Wirkung besitzen (ähnlich wie im Schwimmbad). Zusätzlich verwenden wir einen Diodenlaser zur Desinfektion im Wurzelkanal. 

Die Medikamentenpasten zur Desinfektion im Zahn zwischen den Sitzungen besteht entweder aus einem calciumhaltigen, oder bei Schmerzen, einer kortison-antibiotikumhaltigen Paste.

Die Wurzelfüllung im Kanal setzt sich zusammen aus einer gummiartigen Masse (Guttapercha) und einem zahnzementähnlichem Versiegler in Pastenform.

Erfolgsaussichten und Alternativen

Durch moderne Behandlungstechniken kann der Erhalt bei unkomplizierten Wurzelkanälen auf etwa 80-90% geschätzt werden. Richtig mit einer Krone oder Teilkrone versorgt, kann der Zahn ein Leben lang seinen wertvollen Dienst im Mund tun.

Sollte die Wurzelbehandlung sachgerecht durchgeführt worden sein, sich aber dennoch an der Wurzelspitze ein entzündlicher Prozess bildet, so kann hier als allerletzte Maßnahme eine Wurzelspitzenresektion in Betracht gezogen werden.

Allgemein gibt es als Alternative nur die eine: den Zahn komplett zu entfernen.

 

Schmerzen

Meist ist bei einem schmerzenden Zahn die Besserung direkt nach dem Entfernen des Zahnnervens deutlich zu spüren. Jedoch ist eine Garantie auf Linderung der Beschwerden nie gegeben, weil oft nicht alle Bakterien in der ersten Sitzung entfernt werden können. Hier helfen einfach nur Schmerztabletten oder den Zahn zu ziehen.

 

Was uns besonders macht

Bei längeren Beschwerden des Zahnes muss unter Umständen das desinfizierende Medikament über mehrere Wochen immer wieder ausgetauscht werden. Die Häufigkeit wie oft der Patient für einen Zahn zum Zahnarzt muss kann also leicht zwischen zwei und fünf Sitzungen betragen.

Wir verwenden ausschließlich unbedenkliche, aldehydfreie Materialien und füllen den Wurzelkanal ohne kortisonhaltige Füllmaterialen ab.

 

Nicht alle Arbeitsschritte werden von den gesetzlichen Krankenkassen abgedeckt. So ist zum Beispiel die Desinfektion durch eine Spüllösung vor einigen Jahren aus dem Leistungskatalog der Kassen gestrichen worden. Ohne diese desinfizierenden Spülungen des Wurzelkanals ist der Erfolg der Wurzelbehandlung nahezu ausgeschlossen. Die Laserbehandlung ist ebenfalls keine Kassenleistung. Zusätzlich wird bei uns möglichst immer versucht den geöffneten Zahn durch einen Spanngummi (Kofferdam) vom Speichel (da bakterienhaltig) zu isolieren. Wir bearbeiten das Kanalsystem immer mit speziellen, computergesteuerten Motoren, die über eine elektronische Messung genau zeigen, wo im Kanal wir uns befinden. Damit werden unnötige Röntgenbilder erspart und die Strahlenbelastung auf den Körper gesenkt.

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